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Fliegerhorst Büchel

Atomwaffen-Stationierung führt zu Säbelrasseln

Freitag, 25 September 2015 17:32 geschrieben von 
Atomwaffenstandort Büchel. Aktuelle Lagerstätte. Atomwaffenstandort Büchel. Aktuelle Lagerstätte. Bild: Digital Glob

Saarbrücken - Berichte über eine von den USA geplante Stationierung weiterer Atomwaffen im rheinland-pfälzischen Büchel sind auch in Russland nicht unbeachtet geblieben. Der Präsidentensprecher Dmitri Peskow sagte, dass das Verhalten der USA die Spannungen in Europa verschärfe. Peskow dazu weiter: „Das kann zu einer Zerstörung des strategischen Gleichgewichts in Europa führen.“ Sein Land werde dazu gezwungen, die nationale Sicherheit zu verteidigen.

General Juri Balujewski sagte, dass eine Option darin bestehe, taktische ballistische Raketen vom Typ Iskander in Kaliningrad (Königsberg) zu stationieren. Solche Pläne sind nicht neu, so hatte ein Beamter des Verteidigungsministeriums im März 2015 bereits bestätigt, dass im Rahmen von Manövern solche Raketen sowie Langstreckenbomber an einigen russischen Außengrenzen, so auch in Kalingrad, aufgestellt werden sollen. Die Raketen können mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und haben eine Reichweite von 500 Kilometern. Sowohl Russland als auch die NATO haben in der Region ihre Manöver-Intensität in den vergangenen Monaten deutlich erhöht.

Die Berichte über die mögliche Stationierung der Atomwaffen gingen aus US-Haushaltsplänen hervor. Rüstungsexperten gehen davon aus, dass die neuen Atomwaffen deutlich zielgenauer sind als die Atomwaffen, die bislang in Büchel lagern. Offizielle Bestätigungen seitens der US-Regierung gibt es bisher nicht, doch wurden auch die schon bekannten Lagerungen von US-Atomwaffen auf deutschem Boden nie offiziell bestätigt. Deutschland selbst besitzt keinerlei Atomwaffen, deutsche Soldaten müssten die US-Raketen aber zu ihren Zielen fliegen, sollte es zu einem diesbezüglichen Einsatz kommen. Die 20 neuen Atomwaffen sollen die 80-fache Sprengkraft der Atombomben von Hiroshima haben.

Die Landesvorsitzende der Grünen in Rheinland-Pfalz, Katharina Binz kritisierte die Pläne der US-Regierung: „Die Modernisierung der Atombomben in Büchel ist ein falsches und sehr gefährliches Signal an die Welt. Diese Waffen sind weder in der Eifel noch sonst irgendwo auf der Welt zu gebrauchen.“ Binz forderte die Bundesregierung auf, sich für eine weltweite Abschaffung von Atomwaffen einzusetzen.

Dass sich die Bundesregierung für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzt, ist höchst unwahrscheinlich, ist doch der ehemalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mit dem Vorhaben gescheitert, dass die US-Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden. Obwohl sich die schwarz-gelbe Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag noch für den Abzug aussprach, erklärten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Westerwelle auf dem NATO-Gipfel im Mai 2012 einverstanden, dass die Waffen in Deutschland stationiert bleiben.

Und so geht das Säbelrasseln zwischen den USA und Russland mit deutscher Duldung weiter.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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