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Publiziert in Politik

Neues Bildungsmodell in Baden-Württemberg

Gemeinschaftsschulen sorgen für Überforderung

Donnerstag, 10 März 2016 17:01 geschrieben von 
Landesdienstflagge mit großem Wappen | Baden-Württemberg Landesdienstflagge mit großem Wappen | Baden-Württemberg

Stuttgart - Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V., Matthias Burchardt, hat nun darauf aufmerksam gemacht, dass das von der Landesregierung Baden-Württembergs angestrebte Modell der Gemeinschaftsschulen zu einer Überforderung der Kinder führen werde. Auch die soziale Ungerechtigkeit im deutschen Bildungswesen, in dem der schulische Erfolg des Kindes maßgeblich vom Geldbeutel der Eltern abhängt, werde eher noch verschärft.

Mit Blick auf die Reform in Baden-Württemberg merkte Burchardt an: „Der Flurschaden der Blitzreform in Baden-Württemberg muss dringend beseitigt werden, damit nicht eine ganze Generation von Kindern als Versuchskaninchen die Folgen der Reform ausbaden müssen. Die bisherige Landesregierung rudert ja schon kräftig zurück.“

Auch sei es falsch, auf Leistungsdifferenzierung zu verzichten: „Die Schulen brauchen nun vor allem eines: Ruhe! Schule lebt vom Unterricht durch gute Lehrer und braucht eine gewisse Leistungsdifferenzierung. Ich würde deshalb die Gemeinschaftsschulen in diesem Sinne weiterentwickeln, G8, die Neue Lernkultur und die Kompetenzorientierung aber landesweit abschaffen.“

Die Neue Lernkultur sei vor allem für die Schüler problematisch: „Im Kern beruht die Neue Lernkultur darauf, dass wesentliche pädagogische Funktionen und Verantwortungsbereiche des Lehrers den Schülern aufgebürdet werden. Diese sollen eben nicht nur lernen, sondern müssen das eigene Lernen auch noch organisieren.“

Lehrer und Schüler seien laut Burchardt aber gleichermaßen Versuchskaninchen: „Ja,  es kommt in jeder Hinsicht zu einer Überforderung der Kinder. Aber auch die Lehrer sind nicht etwa entlastet, sondern werkeln an „Lernpaketen“ herum, bereiten Material für verschiedene Niveaustufen vor, kommen mit den Korrekturen oder der Leistungsbewertung kaum hinterher. Erschreckend war für mich, dass bei der Bewertung vornehmlich darauf geschaut wurde, ob die Schüler ihr Pensum geschafft haben, inhaltliche Fehler wurden dagegen kaum korrigiert.“

Laut dem Bildungsexperten sei es ein Trugschluss, davon auszugehen, dass das neue Schulmodell die sozialen Ungleichheiten beheben könne: „Dieser Köder wurde ausgelegt, um die Akzeptanz für den Umbau des Schulsystems zu erhöhen. Das Gegenteil ist leider der Fall. Gerade die benachteiligten Schüler haben am wenigsten von der Neuen Lernkultur profitiert. Zwar hat man nun alle unter einem Dach versammelt, aber die soziale Selektion wird im Verborgenen fortgesetzt.“

Letzte Änderung am Donnerstag, 10 März 2016 17:04
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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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