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Barbarenschatz

Raubgräber erneut wegen Unterschlagung verurteilt

Mittwoch, 27 Januar 2016 21:44 geschrieben von 
Raubgräber erneut wegen Unterschlagung verurteilt Bild: PIXABAY.COM

Frankenthal - Am Montag bestätigte das Landgericht Frankenthal erneut den Vorwurf der Unterschlagung gegenüber dem Entdecker des sogenannten Barbarenschatzes. Dieser war gegen die Bewährungsstrafe des Amtsgerichts Speyer in Revision gegangen. Noch immer beteuert er, er habe den historisch wertvollen Fund abgeben wollen. Statt einer Bewährungsstrafe stünden ihm seiner Ansicht nach Ruhm und Reichtum zu.

Doch wie zuvor bereits das Amtsgericht Speyer befand auch die vorsitzende Richterin des Landgerichts, Iris Blankenhorn, dass der Tatbestand der Unterschlagung erfüllt sei. Sie verringerte die verhängte Bewährungsstrafe jedoch von ursprünglich fünfzehn auf nun acht Monate. Außerdem muss der Mann zweitausend Euro an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zahlen.

Der Verurteilte hatte im Mai 2013 nahe Rülzheim in der Südpfalz den rund einhundert Teile umfassenden Schatz geborgen. Archäologen datierten den Fund später auf die Zeit der Spätantike, der bisher einmalige Stücke enthalte. Erst Monate später, im Dezember 2013, meldete sich der Schatzsucher bei einer Archäologin, um ihr andere Funde und eine Liste über weitere Stücke zu übergeben. Dabei verschwieg er jedoch zunächst den Schatz. Kurze Zeit später berichtete er ihr vage von einem Fund, den er übergeben wolle. Am selben Tag entdeckten Polizeibeamten bei einem Bekannten des Mannes Fotos des Schatzes. Nachdem dieser den Finder darüber informiert hatte, beschloss der Raubgräber den Fund doch gleich auszuhändigen.

Das Gericht sah es durch den ersten Besuch bei der Archäologin, bei dem der Mann den Barbarenschatz mit keiner Silbe erwähnte, als erwiesen an, dass die Unterschlagung „für die Kammer objektivierbar und unzweideutig“ sei.  Er habe den Schatz zwar später selbst übergeben, aber nur aus Angst vor Ermittlungen. „Spätestens als die Liste vorbereitet wurde, war die Schwelle überschritten“, so Blankenhorn.

Der Angeklagte und seine Anwälte plädierten hingegen auf Freispruch, schließlich hätte der Mann der Archäologin gegenüber ja bereits Andeutungen über eine Übergabe gemacht. Ihrer Meinung nach handele es sich klar um einen Rücktritt der versuchten Unterschlagung, so Rechtsanwalt Bernd Lütz-Binder. Zudem habe er „der Gesellschaft genutzt“, ergänzt dessen Kollege Markus Menzendorff. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass ihr Mandant dem Land einen „Jahrhundertfund“ beschert habe. „Damit wird ein Schatzfinder in Deutschland bestraft, der seine Funde abgegeben hat“, kritisierte der Mann nach dem Richterspruch. Ihm sei es immer nur um den Ruhm gegangen, Profit wollte der Schatzsucher damit keinen machen, versicherte er.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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