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Wachsende Ungleichheit

Soziale Schere in Deutschland klafft weiter auseinander

Dienstag, 26 Januar 2016 10:44 geschrieben von 
Wachsende Ungleichheit Wachsende Ungleichheit Bild: PIXABAY.COM

Berlin - Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben ergeben, dass das Gefälle zwischen Reichtum und Armut in Deutschland immer größer wird. Die jüngsten Daten aus dem Jahr 2013 belegen, dass die oberen zehn Prozent der Haushalte über 51,9 Prozent des Gesamtvermögens verfügen. Zehn Jahre davor waren es noch 49,4 Prozent.

Das wiederum hat ein gesunkenes Vermögen bei den unteren 50 Prozent zur Folge. Sie verfügten im Jahr 2013 nur über ein Prozent des Nettovermögens, im Jahr 2003 waren es noch 2,6 Prozent. Die Zahlen werden wohl auch wieder in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung einfließen. Schon in den vergangenen Jahren hatten die Bundesregierungen eine etwas eigenwillige Art, mit der Vermögensentwicklung umzugehen. Auseinandergehende Scheren zwischen Arm und Reich wurden nicht selten als Beleg dafür uminterpretiert, dass die Leistungsanreize in Deutschland funktionieren.

Die vom Bundesamt für Statistik beschriebene Entwicklung hält jedoch seit mehr als zehn Jahren an, was an Zahlen aus dem Jahr 1998 deutlich wird. Damals verfügten die reichsten zehn Prozent über 45,1 Prozent des Gesamtvermögens, die unteren 50 Prozent über 2,9 Prozent.

Reiner Hoffmann, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), machte für die auseinanderklaffende Schere zwischen armen und reichen Haushalten vor allem die ungerechte Steuerpolitik in Deutschland verantwortlich. Laut Hoffmann werden Kapitaleinkünfte zu wenig, Arbeitseinkommen hingegen zu hoch besteuert.

Ähnlich sieht das die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Zimmermann: „In Deutschland findet eine enorme Umverteilung von unten nach oben statt.“ Zimmermann sprach sich in diesem Zusammenhang für die Einführung einer Millionärssteuer aus, bei der die erste Million steuerfrei bleibt, darüber hinaus fünf Prozent Steuern erhoben werden. Auch der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, ist der Ansicht, dass die soziale Ungleichheit auf die Tagesordnung gesetzt werden muss.

In der Tat birgt die auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich großen sozialen Sprengstoff in sich. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Millionen Arbeitnehmer auf Altersarmut zusteuern und der Anteil an Steuern und Abgaben für Durchschnittsverdiener immer größer wird, ist die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels in der Steuerpolitik durchaus gegeben.

Letzte Änderung am Dienstag, 26 Januar 2016 10:49
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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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