winzerin-vom-rhein.de

Publiziert in Politik

Kritik an Horst Seehofer

Trassengegner enttäuscht über Kompromiss

Freitag, 03 Juli 2015 02:15 geschrieben von 
CSU-Chef Horst Seehofer CSU-Chef Horst Seehofer Quelle: CSU

München - Der Kompromiss bezüglich der durch Bayern geplanten Stromtrassen stößt auf massive Kritik. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sich über Monate als Energiewende-Rebell präsentiert hatte, konnte er sich nun mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf einen Kompromiss verständigen.

Statt der ursprünglich geplanten 420 Kilometer sollen jetzt nur noch etwa 30 Kilometer an neuen Leitungen erforderlich sein. Der Rest solle über Erdkabel, auf bestehende Leitungen verlegt werden oder ganz wegfallen. Neben diesem Kompromiss bei der sogenannten Suedlink-Trasse soll auch bei der Süd-Ost-Passage eine Verkürzung der notwendigen Leitungen erfolgen. So soll der Endpunkt nicht mehr in Gundremmingen, sondern in das Kraftwerk Isar 1 in der Nähe von Landshut verlegt werden. Auch diese Leitungen sollen größtenteils via Erdkabel verlaufen.

Hubert Galozy vom Aktionsbündnis gegen die Gleichstrom-Übertragungsleitungen sagte dazu: „Das ist nichts, das ist ein Null-Ergebnis. Da diskutiert die Staatsregierung eineinhalb Jahre mit uns, verkündet die Formel zwei minus x, und jetzt kommen beide Trassen. So eine Farce haben wir wirklich nicht erwartet.“ Ähnlicher Auffassung ist Josef Loderer vom „Energiebündel Eichstätt“: „Es ist uns nie um kosmetische Verbesserungen gegangen. Die neuen Leitungstrassen sind vollkommen überflüssig. Man braucht sie nicht, wir wollen sie nicht.“

Auch Umweltschutzorganisationen halten wenig vom ausgehandelten Kompromiss. So teilte der Bund Naturschutz mit: „Seehofers Einknicken ist ein Rückschlag für die dezentrale Energiewende in Bayern. Nun drohen Milliarden Euro teure Fehlinvestitionen, von denen nur die Netzbetreiber profitieren.“

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat kein Verständnis für die aufkommende Kritik. Es sei kein fauler Kompromiss, wie die Kritiker sagen, sondern ein Riesenerfolg. Doch der Spaß wird somit auch teurer. Die Verlegung von Erdkabeln ist teuer, weshalb der Trassenausbau bundesweit nun nicht mehr 23, sondern 34 Milliarden Euro kosten werde. Konkrete Folge für die Verbraucher: „Sie müssen in den kommenden 40 Jahren 0,1 Cent pro Kilowattstunde mehr bezahlen.“

Seehofer hat mit dem ausgehandelten Kompromiss sein propagiertes Ziel erreicht. Bayern wird deutlich weniger durch neue Trassen belegt als ursprünglich geplant. Dennoch wird der „Erfolg“ ihm politisch nicht viel nützen, sehen die vielen Trassengegner den Kompromiss doch als Versagen des Ministerpräsidenten an. Auch kommen erhebliche Mehrkosten auf die Verbraucher zu, was die Skepsis gegenüber der „Energiewende“ der Bundesregierung noch anwachsen lassen dürfte.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Redaktion