winzerin-vom-rhein.de

Publiziert in Politik

Debatte spaltet die CDU

Vatikan kritisiert irisches Referendum zur Homo-Ehe

Donnerstag, 28 Mai 2015 19:15 geschrieben von 
Flagge des Vatikan Flagge des Vatikan

Rom - Nach einer Abstimmung am vergangenen Wochenende ist es irischen Homosexuellen künftig gestattet, zu heiraten. Der Vatikan kritisierte diese Rechtsänderung aufs Schärfste. Auch in Deutschland ist die Debatte nun neu entbrannt. Am Mittwoch stimmte das Bundeskabinett einem Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zu, der homosexuelle Lebenspartnerschaften rechtlich mehr der Ehe angleicht.

„Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis. Die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken“, erklärte der Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin zum Ergebnis des irischen Referendums. „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen.“ Dabei müsse man gerade heute alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe.

Erst kürzlich hatte in Deutschland das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gefordert, unter anderem gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, was von der Deutschen Bischofskonferenz jedoch entschieden zurückgewiesen wurde. Eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare werde es in der katholischen Kirche nicht geben. Im Oktober dieses Jahres findet die Familiensynode der katholischen Kirche statt. Dabei soll auch das Thema Homosexualität diskutiert werden. Einige Gläubige erhoffen sich von Papst Franziskus eine wegweisende Entscheidung in Richtung Modernisierung der katholischen Kirche.

Durch das Referendum in Irland hat nun auch die Debatte in Deutschland neuen Zündstoff erhalten. „Das Referendum wird in Deutschland aufmerksam wahrgenommen und diskutiert – auch in der CDU“, erklärte deren Generalsekretär Peter Tauber. Während sich die Befürworter einer Gleichstellung homosexueller Lebensbünde mit Ehen in Stellung bringen, erklärte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder: „Die sogenannte Homo-Ehe, also die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Verbindungen, lehne ich ab – auch weil ich die Volladoption durch Lebenspartner nicht für richtig halte.“ Für ihn sei die Ehe im Sinne des Grundgesetzes die Verbindung von Mann und Frau. Zudem sei eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle durch ein einfaches Gesetz „höchst problematisch“, wie die bisherige Rechtssprechung des Bundesverfassungsgericht gezeigt habe.

„Ich persönlich stehe einer Öffnung der Ehe offen gegenüber“, erklärte hingegen Nadine Schön, eine Stellvertreterin Kauders, und zeigt damit, dass die Debatte um die Rechte Homosexueller innerhalb der Union bis in die Regierungsspitze reicht. Auch das CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hatte die Entscheidung der Iren bereits begrüßt: „Man sollte denken, was die katholischen Iren können, können wir auch.“ „Auch in unserer Partei schärft sich das Verständnis für gesellschaftliche Veränderungen“, erklärte der CSU-Abgeordnete Bernd Fabritius. Marcus Weinberg von der Hamburger CDU erklärte: „Die Frage der Homo-Ehe ist eine hochpolitische, die wir als Union breit in CDU und CSU diskutieren müssten, wenn es Änderungsbedarf gibt.“

Nach Ansicht vom stellvertretenden CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Thomas Strobl besteht derzeit allerdings kein Änderungsbedarf. Er verwies auf den Koalitionsvertrag mit der SPD, der keine weitreichenden Änderungen der Rechtslage Homosexueller vorsieht.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Redaktion