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Klage abgewiesen

„Mannheimer Loch“ verschwindet

Donnerstag, 30 April 2015 02:33 geschrieben von 
Rolf Lauter | Bildschirmfoto vom 30.04.2015 Rolf Lauter | Bildschirmfoto vom 30.04.2015 Quelle: rolf-lauter.com

Mannheim - Der Streit um das sogenannte „Mannheimer Loch“ zwischen der Stadt Mannheim und der Künstlerin Nathalie Braun Barends hat ein Ende. Das Landgericht entschied, die Stadt müsse das Kunstwerk nach den Umbaumaßnahmen nicht wieder installieren.

Viele Jahre lang war das „Mannheimer Loch“ fester Bestandteil der Kunsthalle: das „HHole for Mannheim“, wie die Künstlerin das Loch nannte, zog sich durch mehrere Stockwerke des Athene-Trakts. Nun wird dieser Teil umgebaut und die Installation soll verschwinden. Braun Barends forderte die Reinstallation und drohte mit Schadenersatzforderungen in Höhe von mindestens 250.000 Euro.

Die Zivilkammer des Landgerichts Mannheim beendete nun den Streit am vergangenen Freitag und urteilte zugunsten der Stadt: Diese muss die Installation nicht wieder aufbauen lassen, denn es stehe ihr zu, das Museum nach seinen Bedürfnissen umzubauen – auch wenn dafür ein Kunstwerk verloren geht. Allerdings stellten die Richter fest, dass die Stadt der Künstlerin noch 66.000 Euro für das Loch schulde. Denn bisher habe sie nur viertausend der vereinbarten siebzigtausend Euro für das Werk gezahlt. Die Prozesskosten werden 70:30 zwischen Künstlerin und Stadt aufgeteilt.

Braun Barends erhielt vor fast zehn Jahren den Auftrag zur Installation, weil sie eng mit dem damaligen Direktor der Kunsthalle, Dr. Rolf Lauter, bekannt war. Doch die Installation brachte dem Museum von Anfang an nur Ärger. Das von der Künstlerin einfach in den Boden gebohrte Loch stelle eine Gefahr für die Besucher dar: Im Ernstfall hätte sich durch die Bohrung der Rauch eines Feuers überall im Gebäude schnell ausgebreitet - eine teure Rundumbewachung durch einen Feuerwehrmann wurde notwendig. Die Künstlerin wehrte sich dennoch gegen den Verschluss des Lochs durch eine Glasplatte. Das Museum wehrte sich gegen die Wiederherstellung des Lochs nach dem Neubau. Dr. Lauter wurde 2008 wegen finanzieller Probleme, Eigenmächtigkeiten und ständiger Differenzen mit dem Rathaus abberufen.

Während die jetzige Museumsdirektorin Ulrike Lorenz das Problem recht pragmatisch betrachtete und erklärte: „Es gibt einen Kaufvertrag. Wir sind die Eigentümer und haben das Recht, die Arbeit zu vernichten“, pochte Braun Barends auf ihr Urheberrecht und warf eine Debatte über Kunst, die nichts ist, auf. Die Kunstfreiheit sei ein Grundrecht. Es sei fatal, wie leichtsinnig die Stadt Kunstwerke zerstören will. Auch nach dem Urteil des Landgerichts erklärte sie, der Fall sei für sie „noch nicht abgeschlossen“. Sie sehe sich nun in der langen Reihe von Künstlern, denen in der Kunstgeschichte Unrecht getan worden ist und erwägt in die nächste Instanz zu gehen.

Thomas Drosdowski, der Leiter des Rechtsamts der Stadt, zeigte sich unterdessen erleichtert über das Urteil: „Es ist wichtig, dass der Bau jetzt ohne Störfaktor weitergehen kann.“

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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