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Barbarenschatz

Schatzsucher zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Freitag, 27 Februar 2015 01:52 geschrieben von 
Hagen versenkt den Nibelungenhort, Gemälde von Peter von Cornelius, 1859 Hagen versenkt den Nibelungenhort, Gemälde von Peter von Cornelius, 1859 Quelle: de.wikipedia.org | Bild: Peter von Cornelius

Speyer - Das Amtsgericht Speyer verurteilte einen 23-jährigen Schatzsucher zu fünfzehn Monaten Haft auf Bewährung, weil er einen aus der Spätantike stammenden Gold- und Silberfund unterschlagen hatte.

Der Verurteilte habe den Schatz zwar schlussendlich ausgehändigt, den Indizien zufolge allerdings nur, weil er Angst vor polizeilichen Ermittlungen gehabt habe, begründete die Richterin Sascha Umealo-Wels das Urteil. Damit bleibt das Gericht drei Monate unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Zudem muss der Angeklagte dreitausend Euro an ein Kinderhospiz spenden.

Markus Menzendorff, der Rechtsanwalt des Schatzsuchers, erklärte, man werde gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Er vermutete, Schatzsucher sollten durch den Prozess abgeschreckt werden. Der Verurteilte klagte, man wolle ein Exempel an ihm statuieren.

Er hatte den historischen Fund, den Wissenschaftler in das fünfte Jahrhundert datieren, vor zwei Jahren in Rülzheim in der Südpfalz durch eine Metallsonde im Boden entdeckt. Insgesamt handele es sich um etwa einhundert äußerst wertvolle Gold- und Silberstücke der Spätantike. Experten schätzten den Fund auf einen Wert von etwa einer halben Million Euro.

Erst ein halbes Jahr nachdem er ihn illegal aus dem Boden gehoben hatte, habe der Angeklagte diesen einer Archäologin übergeben. Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Schatzsucher den Wert des sogenannten „Barbarenschatzes“ sehr wohl erkannt habe, diesen aber für sich behalten wollte, statt ihm dem eigentlichen Besitzer, dem Land Rheinland-Pfalz zu übergeben.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Er habe nicht gleich erkannt, um was es sich handele und wollte zunächst herausbekommen, was er da gefunden hatte. „Ich wollte ein bisschen als Forscher dastehen, Forscherehrgeiz zeigen und den Fund so gut wie möglich dokumentieren, bevor ich ihn abgebe“, erklärte er vor den Richtern des Frankenthaler Landgerichts. Dass er nun derart kriminalisiert werde, ärgere ihn.

Die Unschuldshaltung des Schatzsuchers wirkt angesichts der zahllosen Internetfilme, die der Hobbyschatzjäger veröffentlicht hat, tatsächlich wenig überzeugend. In den sieben Monaten, die vergingen bis er seinen Fund anzeigte, veröffentlichte er einige Fotos des Schatzes im Internet. Erst durch diese kamen ihm die Ermittler auf die Schliche, erklärte Oberstaatsanwalt Hubert Ströber.

„Durch derartige Raubgräberei entsteht großer Schaden“, kritisierte die rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen (SPD). „Nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Allgemeinheit.“

So beklagte etwa der Landesarchäologe Axel von Berg, der Fundort in dem Wald bei Rülzheim sei durch die unsachgemäßen Grabungen zerstört worden. Außerdem habe der Schatzsucher mehrere Gegenstände von unschätzbarem Wert, wie etwa einen 1.500 Jahre alten mit Silber verzierten Klappstuhl, zerstört. „Er hat den Stuhl brutal aus dem Boden gerissen und zerstört.“ Auch habe er Stoffreste, die Auskunft über die damalige Kleidung hätten geben können, von alten Knöpfen entfernt. Es sei zudem nicht auszuschließen, dass der Verurteilte einen Teil des Schatzes bereits illegal verkauft habe.

Letzte Änderung am Freitag, 27 Februar 2015 02:08
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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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