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Kriselnde Fluglinie

Air Berlin Piloten verzichten auf Gehaltserhöhung

Dienstag, 09 Februar 2016 23:58 geschrieben von 
Air Berlin Air Berlin Bildquelle: PIXABAY.COM

Berlin - Um der kriselnden Fluglinie Air Berlin weitere Kosten zu ersparen, verzichten die Piloten des Unternehmens auf eine vereinbarte Gehaltserhöhung. Und auch in der Chefetage wird künftig gespart.

Wie ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Fluglinie bestätigte, gelang es der Fluggesellschaft Piloten und Managern Gehaltseinbußen abzuringen. Insgesamt erhalten so etwa achtzig Führungskräfte in diesem Jahr bis zu zehn Prozent weniger Gehalt. Überstunden müssten künftig vorab beantragt, genehmigt und möglichst mit Freizeit abgegolten werden. 1.250 Flugzeugführer verzichten zudem auf vier Prozent mehr Lohn. Die Erhöhung war bereits im Jahr 2013 ausgehandelt worden. In einer Urabstimmung soll zudem im Herbst entschieden werden, ob auch im kommenden Jahr auf die Erhöhung verzichtet werden wird.

Der seit einem Jahr amtierende Konzernvorsitzende Stefan Pichler kündigte für 2016 eine Kurswende an: Neben Kostensenkungen sieht sein Plan den Ausbau profitabler Langstreckenflüge und eine verstärkte Ausrichtung auf Firmenkunden vor. Air Berlin steckt bereits seit längerem in einer finanziellen Krise. Bereits mehrfach half die arabische Fluggesellschaft Etihad, die rund dreißig Prozent der Aktien des Unternehmens hält, finanziell aus.

Pichlers Sanierungskurs brachte unterdessen bereits erste Erfolge. Im August vergangenen Jahres gelang dem Unternehmen einen Rekordauslastung von 90,9 Prozent. Vor allem die Kooperation mit der Fluglinie Etihad leiste zudem einen zentralen Beitrag: „Wir erwarten Ersparnisse im dreistelligen Millionenbereich in den kommenden drei Jahren“, erklärte Pichler im September 2015. „Die Zahl der Kunden, die wir durch den Ticketverkauf über Etihad erhalten, ist im ersten Halbjahr um elf Prozent gestiegen. Diese Zahl wird sich noch durch mehr Partner, mehr Flüge und eine stärkere Vermarktung steigern.“

Erst Mitte Januar hatte das Oberverwaltungsgerichts Lüneburg entschieden, dass Air Berlin und sein arabischer Partner auch weiterhin den Großteil ihrer Gemeinschaftsflüge anbieten dürfen. Nachdem sich Konkurrenten von Air Berlin beim Luftfahrt-Bundesamt über die sogenannten Codeshareflüge beschwert hatten, wollte dieses die bisherigen Verbindungen nur noch mit Ausnahmegenehmigung bis Mitte Januar erlauben.

Bei Codeshareflügen teilen sich mehrere Fluglinien einen Flug. Dieser wird von beiden Gesellschaften unter einer eigenen Flugnummer angeboten, in Wirklichkeit aber nur von einer der beiden Linien bedient. Neben einer höheren Auslastung können die Unternehmen so ihren Kunden auch Strecken anbieten, die sie selbst nicht bedienen.

James Hogan, der Vorsitzende von Etihad, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Lüneburger Urteil. „Die Entscheidung ist ein Sieg für Verbraucher und Wettbewerb in Deutschland.“ Unterm Strich könnten 94 Prozent der gemeinsamen Flüge auch weiterhin angeboten werden.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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