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Peter Bofingers Scheinargumente entlarvt

Die schleichende Enteignung der Sparer nach der Bargeldabschaffung

Mittwoch, 17 Juni 2015 19:38 geschrieben von 
Peter Bofinger Peter Bofinger Quelle: de.wikipedia.org | CC BY-SA 3.0

Frankfurt am Main – Der bekannte US-Ökonom Kenneth Rogoff, einst Chefvolkswirt des IWF, setzt sich leidenschaftlich für eine Abschaffung von Banknoten mit hohen Nennwerten ein – angeblich, um Kriminellen einen Strich durch ihre krummen Geschäfte zu machen und Steuerhinterziehung zu erschweren. Ähnlich wie der Harvard-Professor argumentiert auch der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger, der zudem der Ansicht ist, dass Bargeld den Zahlungsverkehr „ungemein“ erschwere. Dies lasse sich bereits an der verlorenen Zeit festmachen, „wenn Leute vor Ihnen an der Ladenkasse nach Kleingeld suchen und die Kassiererin nach Wechselgeld“, so der Würzburger Volkswirtschaftsprofessor und sogenannte Wirtschaftsweise.

Bofinger meint, dass Bargeldverkehr sich vor allem für Verbrecher auszahle. Dies belege auch die hohe Anzahl von 500-Euro-Scheinen, denn „damit wickeln lichtscheue Gestalten ihre Geschäfte ab“. Durch die Abschaffung des Bargeldes könne man „die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen“ zügig austrocknen, so Bofinger, der die Bundesregierung deshalb aufforderte, dafür zu werben, dass das Bargeld als Zahlungsmittel auslaufe. Sinnvoll wäre es zudem, wenn der Euroraum, die USA, Großbritannien und die Schweiz zeitgleich die Abschaffung des Bargeldes vornehmen würden. Was Bofinger nicht ansprach, aber immerhin von Rogoff offen angesprochen wurde, sind die geldpolitischen Erwägungen. „Wenn die Geldhalter auf zinsloses Bargeld ausweichen können, dann kann die Zentralbank den Leitzins nicht allzu weit unter Null senken, selbst wenn das sinnvoll wäre, um eine lahmende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“, so der US-Ökonom, der damit die Katze aus dem Sack gelassen und die wahren Hintergründe des „Krieges gegen das Bargeld“ („Handelsblatt“) offenbart hat.

Im propagandistischen Feldzug gegen „Cash“ werden den Bürgern permanent Scheinargumentationen um die Ohren gehauen, um die eigentliche Intention, die Rogoff dankenswerterweise genannt hat, zu verschleiern. Laut einer Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey soll jeder Deutsche etwa 200 Euro im Jahr für den Bargeldverkehr draufzahlen, etwa für Gebühren an Geldautomaten fremder Kreditinstitute. Die Steinbeis-Hochschule Berlin will ermittelt haben, dass man hierzulande bei „einer Abkehr von Münzen und Scheinen bis zu 35 Milliarden Euro“ jährlich sparen könnte. Und in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien schon am 30. September 2013 ein Beitrag, der das Bargeld als überflüssig darstellte: „Theoretisch wäre es für alle – Handel, Banken und Privatleute – am günstigsten, wenn es nur noch Kartenzahlung gebe. Möchte man verstehen, warum das so ist, muss man den Bargeldkreislauf verstehen. Dieser ist total widersinnig: Der Kunde holt Geld von der Bank, um damit in einem Geschäft zu bezahlen. Das Geschäft nimmt dieses Geld wieder und lässt es dann aufwändig zur Bank zurück transportieren, die es dann wieder zum Kunden bringt – ein wenig effizienter Kreislauf, der auf allen Ebenen mit Kosten verbunden ist.“

Die nächsten Schritte zur Zurückdrängung der Barzahlung werfen in Deutschland schon ihre Schatten voraus. Die Sparkassen planen, demnächst alle neuen EC-Karten – ob der Kunde es will oder nicht – um das Girogo-Verfahren erweitern, das nicht nachträglich deaktiviert werden kann. Dazu sollen die Geldkarten um einen RFID-Funkchip, wie er auch in modernen Mobiltelefonen zu finden ist, erweitert werden. Der Kunde kann dann beim Einkauf seine aufgeladene Karte an ein Bezahlterminal halten oder auf einen Bezahlteller legen. Kritiker bemängeln, dass die Chips eine weltweit eindeutig zuzuordnende Identifikationsnummer, die letzten 15 Bezahlvorgänge, eine Händlerkennung und die letzten drei Prepaid-Ladevorgänge unverschlüsselt senden, wodurch sich detaillierte Bewegungsprofile der Karteninhaber leicht erstellen lassen. Zudem birgt das Verfahren ein hohes Sicherheitsrisiko, denn die Daten des Chips können mit einfachen Geräten auf eine Entfernung von einem halben Meter oder mehr problemlos ausgelesen werden. Das alles interessiert die Verfechter der Bargeldzurückdrängung nicht. Ihnen geht es darum, der Finanzindustrie bislang ungeahnte Möglichkeiten zu verschaffen, die Sparer schleichend zu enteignen.

Immerhin gibt es unter den deutschen Ökonomen auch kritische Stimmen, die Bofinger, Rogoff & Co. widersprechen. „Die Menschen würden auf andere Währungen und zur Not auf Edelmetalle ausweichen“, so Paul G. Schmidt, Professor für Volkswirtschaftslehre und Leiter des Economics Department an der Frankfurt School of Finance and Management. Es könnte zu einem unüberschaubaren Geldchaos aus diversen Auslandswährungen, Naturalwährungen, Gutscheinen und Edelmetallen kommen. Auch Friedrich Schneider, Experte für die Forschungsdisziplinen Steuerhinterziehung und Organisierte Kriminalität an der Universität Linz, ist nicht überzeugt vom Verbrechensbekämpfungsargument. Seiner Ansicht nach ließe sich die Schattenwirtschaft durch eine Abschaffung des Bargeldes um maximal fünfzehn Prozent senken. „Beim Rest würde auf andere Zahlungsmittel ausgewichen.“ Schneider sieht dafür eine viel größere Gefahr: Bargeldlos zahlende Kunden sind gläserne Kunden, deren Zahlungen gespeichert und jederzeit nachvollzogen werden können. Daher warnt er: „Eine Bargeldabschaffung wäre ein massiver Eingriff in den Datenschutz bei einem sehr überschaubaren volkswirtschaftlichen Nutzen.

Bei der flächendeckenden Einführung von Straf- oder Negativzinsen auf Spareinlagen und einer gleichzeitigen Abschaffung des Bargeldes könnten die Menschen ihre Ersparnisse nicht mehr durch Barabhebungen in Sicherheit bringen. Sie wären den Banken auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und müssten mitansehen, wie sie Stück für Stück enteignet werden. Und noch einen weiteren Vorteil hätte die ganze Sache für die Strategen der Finanzindustrie: Nachdem die Notenpressen schon heute damit beschäftigt sind, immer mehr Geld ohne reale Deckung auszuspucken, würde durch die Abschaffung des Bargeldes das Tor zur totalen Geldvermehrung komplett aufstoßen.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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