winzerin-vom-rhein.de

Publiziert in Wein

Die vielen Kinder des Kellermeisters

"Sepp und Josef Dockner - Die Rieslingkönige vom Göttweiger Berg"

Freitag, 27 März 2015 10:09 geschrieben von 
Riesling Rosengarten von Josef Dockner Riesling Rosengarten von Josef Dockner Quelle: WINZERIN VOM RHEIN

Krems - Sepp und Josef Dockner, am Fuße des „Heiligen" Göttweigerberges beheimatet, hatten vor einigen Jahren für nicht wenig Aufsehen gesorgt, als sie es mit ihrer aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt bestehenden Cuvée „Sacra" 2003 als erster schafften, die begehrte Drei-Sterne-Auszeichnung für einen Rotwein ins Kremstal zu holen. All jene, die damals vielleicht vermuteten, dass es sich bei diesem Erfolg um eine Eintagsfliege gehandelt haben könnte, dürfen wir heuer auf angenehme Weise enttäuschen.

Die Erfolgsgeschichte des dynamischen Vater/Sohn-Gespanns ist eine endlose. Aus einstmals 3,5 ha Weingärten, die Sepp Dockner als Zwanzigjähriger übernommen hatte, entstanden mittlerweile 45 ha Eigenfläche, dazu kommen nochmals 30 ha Traubenzukauf.

Erstaunlich ist, dass neben den beachtlichen Dimensionen, die hier erreicht wurden – vor allem aber die Kontinuität, mit der die beiden Jahr für Jahr großartige Weine aus den unterschiedlichsten Bodenprofilen und Rebsorten keltern. Die Grünen Veltliner aus den Lagen Frauengrund, Oberfeld oder Lusthausberg zählen in ihren Kategorien ebenso zu den alljährlichen Vorzeigeweinen wie der Riesling Rosengarten oder seit kurzem der stilvolle Pinot Noir, der übrigens aus Weingärten der benachbarten Wachau stammt und – Originalzitat – „mit dem wir beweisen wollen, dass auch in der Wachau große Rotweine wachsen können".

Kellermeister Josef Dockner hat viele Kinder: Frischer Veltliner, blumiger Riesling, fülliger St. Laurent oder fruchtiger Pinot Noir sind nur vier aus einer ganzen Serie.

Die kellertechnischen Voraussetzungen sind optimal, man legt besonderen Wert auf fruchtbetonte, sortentypische Weine und setzt einerseits auf längere Maischestandzeiten zur verbesserten Fruchtauslaugung aus den Schalen, andererseits auch auf den Einsatz von Kaltmazeration, um diesen Effekt noch zu erhöhen. In den Kellern des Weinguts finden sich allerdings nicht nur blitzende Edelstahltanks, sondern auch eine Vielzahl von Eichenfässern mit geschnitzten Porträts, die von zahlreichen Weintaufen und ihren berühmten Taufpaten erzählen, welche sich in den Dockner’schen Gemäuern die Ehre gaben.

Seit zwei Jahren macht Josef Dockner jun. (Önologe und Kellermeister) von den besten Weinen des jeweiligen Jahrgangs nun auch „Privatfüllungen", deren Vinifizierung, wie er uns versichert, „so aufwändig ist, dass es schon an Liebhaberei grenzt".

Einer von ihnen ist der Grüne Veltliner „Gudrun", benamst nach der charmanten Gattin des Seniors, Mutter dreier Kinder und gleichzeitig Heurigenwirtin des Betriebes, der andere heißt „Sepp", ein Riesling aus den Toplagen Rosengarten und Gottschelle. Die Namensgebung ist alles andere als Zufall – selten erleben wir einen derart engen Zusammenhalt, begegnen wir so festen familiären Banden wie hier in dieser Göttweiger Winzerfamilie. Da erübrigt sich auch jede Frage nach den Gründen des Erfolgs – hierin liegt bereits die ganze Antwort …

Es ist tatsächlich die Klimagunst, die die Weingärten rund um den Göttweiger Berg auszeichnet. Bewirken doch das warme pannonische Klima aus dem Osten, der Donauraum und die Kühle des Dunkelsteiner Waldes eine einzigartige Traubenreife mit typischen Aromen. Die Weinstöcke ziehen ihre Kraft aus den Löss-, Lehm-, Schotter- und Urgesteinsböden rund um den Göttweiger Berg.

"Wir wollen keinen Einheitsbrei, machen beinahe aus jeder Lage einen eigenen Wein." So kommt’s, dass Josef Dockner schon ein paar Dutzend Weine mit oder ohne Zange auf die Welt gebracht hat. Am meisten haben des Winzers Beine freilich bei der Geburt des Johannes geschlottert – heute zwei Jahre alt und der jüngste Spross des Niederösterreichers.

Das neueste Projekt von Josef Dockner kurz genannt Sepp, wurde im November 2014 aus der Taufe gehoben – die Sektmanufkatur am Kremser Frauengrund. Unter den zahlreichen Festgästen waren unter anderen auch Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager, Bürgermeister der Stadt Krems Dr. Reinhard Resch, Bürgermeister der Stadt St. Pölten Mag. Matthias Stadler und auch Bürgermeisterin von Furth Mag. Gudrun Berger. Die Segnung nahm Pater Maurus von der Pfarrei Brunnkirchen vor.

In den neu renovierten Kellern am Kremser Frauengrund reifen nun die Sekte der Familie Dockner – ein Burgunder- und ein Rosé-Sekt.

Wer etwas fröstelt, kann sauer werden. Das gilt für Mensch und Wein gleichermaßen. Was uns zumeist die Laune verhagelt, ist dem Wein von Nutzen. Schließlich gehört die Säure zu seinen zentralen Geschmackselementen. Im Zusammenspiel mit der Restsüße und dem Alkoholgehalt bildet sie das Rückgrat des Weins.

Frisch und lebendig präsentiert sich in diesem Sinn der Dockner 2013, der obendrein verspricht, lange zu leben. Josef Dockners Riesling Reserve aus der Lage Rosengarten hält es beispielsweise noch acht bis zehn Jahre in der Flasche aus.

Durch eine strenge und gezielte Traubenselektion, sowie durch die sehr späte Ernte (Anfang November) konnte hier allerhöchste Qualität erzielt werden! In der Nase intensive Primärfrucht nach vollreifen Marillen. Am Gaumen vielschichtig und komplex. Aufgrund der harmonisch eingebundenen Säure sehr elegant und trinkanimierend. Dieser Wein hat ein sehr gutes Entwicklungspotential. Der Riesling Kremstal DAC Reserve Rosengarten 2011 ist österreichischer Bundessieger!!! 

Aber nicht nur der Salonsieger wurde im Winzerhof Dockner erschaffen, sondern erstmalig in der österreichischen Salon-Geschichte erreichte ein Winzer den 1., den 2. und auch den 3. Platz mit einer Rebsorte: Riesling! Dieser edle Tropfen ist leider streng limitiert!

Was für die Reserve gilt, ist im Falle des Grünen Veltliner Frauengrund wenig ratsam: Ihm sollte man trotz toller Säure schon nach ein bis zwei Jahren an die Gurgel gehen.

Josef Dockners Gelber Muskateller hat jedoch schon Stellung in den Weinregalen bezogen und grüßt schon mal den Frühling.

Letzte Änderung am Freitag, 27 März 2015 18:43
Artikel bewerten
(4 Stimmen)
Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Redaktion